Carolin Föste
Licht bestimmt das Leben und so, wie es positiven Einfluss haben kann, kann es besonders in der Nacht große negative Auswirkungen haben. Lichtverschmutzung und nachtschonende Beleuchtung sind daher ein Thema für Immobilienbesitzer:innen, an dem man nicht sorglos vorbeischauen sollte. Die gute Nachricht: Ohne große Investitionen kannst du hier schon viel leisten.
Das Wichtigste in Kürze:
- Über 99 % der Menschen in Europa leben unter einem Sternenhimmel mit Lichtverschmutzung (LV).
- Lichtverschmutzung stört das Verhalten von Insekten, Wildtieren und sogar das Wachstum von Pflanzen.
- Auch der Mensch profitiert von mehr Dunkelheit: Sie schont den Schlaf-Wach-Rhythmus und spart Energiekosten.
- Mit einfachen Maßnahmen wie Bewegungsmeldern, Zeitschaltuhren und warmweißem Licht lässt sich Lichtverschmutzung deutlich reduzieren.
Lichtverschmutzung – der Preis für künstliches Licht
Licht ist nicht nur tagsüber relevant. Was bei Tag die Sonne übernimmt, gleicht der Mensch bei Nacht durch künstliche Beleuchtung aus. Im Straßenverkehr gibt Licht Orientierung, in Gewerbe- und Wohngebieten sorgt es für zusätzliche Sicherheit. Was also einerseits Komfort bedeutet, hat andererseits drei große Nachteile: Es kostet viel Geld, verbraucht Ressourcen und stört die Umwelt. Höchste Zeit also, einen Blick auf Alternativen zu werfen – hin zu einer nachtschonenden Beleuchtung.
Lichtverschmutzung – die Nacht wird immer heller
Du kennst es: So richtig dunkel wird es in dicht besiedelten Regionen eigentlich nie. Hauseingänge und Straßen werden bis zum Morgengrauen beleuchtet, Werbeplakate und Fassaden angestrahlt und selbst Gebüsche und Sträucher werden durch Lichterketten verschiedenfarbig erhellt.
Laut Untersuchungen wohnen rund 80 Prozent der Menschen weltweit unter lichtverschmutzten Nachthimmeln – über 99 Prozent betrifft es in Europa. Lichtverschmutzung (LV) bedeutet, dass künstliches Licht den Nachthimmel regelrecht überstrahlt und die Sicht vernebelt. Um das zu erkennen, musst du gar nicht in einer Stadt wohnen. Auch in den meisten ländlichen Gegenden wird der Blick auf die Milchstraße durch zu viel Licht in der Umgebung vernebelt. Denn die Lichtstrahlen, die der Mensch nachts erzeugt, strahlen weit aus.
Der Mensch und das Licht
Auch, wenn künstliches Licht in der Nacht für Sicherheit sorgt, ist es meist zu umfangreich installiert oder zu hell eingestellt. Das kostet nicht nur Energie und damit Geld, sondern sorgt in der Natur für große Schäden.
Menschen sehen dabei nur ein gewisses Lichtspektrum – das Bundesamt für Strahlenschutz nennt dazu den Bereich von 400 bis 780 Nanometern, abhängig von deiner persönlichen Sehfähigkeit. Anderes Licht wie ultraviolettes Licht oder Infrarotstrahlung liegen außerhalb des für unsere Augen wahrnehmbaren. Dieses muss außerdem auf Teilchen treffen, die es zu unseren Augen zurückwerfen, damit wir es wahrnehmen. Beleuchtung, die etwa gen Himmel oder in eine leere Umgebung gerichtet wird, ist in diesem Sinne unsichtbar. Sichtbar dagegen wird es mit dem sogenannten Skyglow. Dieser entsteht vor allem durch kaltweißes Licht mit überwiegend kurzen, blauen Lichtwellen. Sie werden stärker in der Atmosphäre gestreut, werden von Partikeln zu unseren Augen zurückgeworfen und hellen den Nachthimmel auf.
Die Folgen von Lichtverschmutzung für die Umgebung
Wissenschaftler:innen, die sich mit der Thematik beschäftigen, beschreiben Licht bei Nacht als Umweltstressfaktor. Das Leben draußen – Tiere und Pflanzen – haben sich über viele Millionen Jahre an den Hell-Dunkel-Zyklus von Tag und Nacht angepasst. Das dagegen noch junge Phänomen der Lichtverschmutzung stört viele natürliche Abläufe bei Nacht. Es ist nicht einfach nur hell draußen – es ist ein veränderter Lebensraum. Mit der Beleuchtung deiner Wohnung, des Carports, deines Gartens oder Balkons gestaltest du diesen aktiv mit. Ein bewusster Umgang mit künstlichem Licht wirkt dagegen an. Davon profitiert auch deine Gesundheit – denn auch der Mensch und sein Schlaf-Wach-Rhythmus sind an die Dunkelheit angepasst.
10 Tipps für Hausbesitzende: So geht nachtschonende Beleuchtung
Die gute Nachricht: Abseits vom radikalen Abschalten kannst du einiges gegen Lichtverschmutzung tun. Die folgenden Tipps zielen darauf ab, die Lichtmenge zu reduzieren. Manches erfordert nur einen kurzen Handgriff.
- Denke bei deinem möglichst nachhaltigen Neubau die nachtschonende Beleuchtung von Anfang an mit, um später nicht nachjustieren zu müssen.
- Ziehe die Vorhänge zu, so fällt weniger Licht aus deinen Wohnräumen nach draußen.
- Hinterfrage, wo Licht wirklich benötigt wird. Schalte es an allen übrigen Stellen ab. Denn: die sparsamste Lampe ist die, die du nicht einschaltest.
- Setze der Dauerbeleuchtung durch Bewegungsmelder ein Ende.
- Richte die Beleuchtung gen Boden oder zu einem zu beleuchtenden Gegenstand, statt in den Himmel. So sorgst du für weniger Streulicht und setzt das benötigte Licht gezielter ein.
- Schirme Licht ab, wo du es nicht brauchst oder umlenken kannst.
- Nutze Zeitschaltuhren, um die Dauer der Beleuchtung bewusst zu steuern.
- Nutze weniger helle Lichtquellen.
- Nutze warmweiße Beleuchtung und verzichte auf blauweißes Licht. Auch so reduzierst du die Streuung von Licht.
- Nutze energiesparende Beleuchtungsvarianten und LEDs mit unter 3.000 Kelvin.
Du siehst: Nachtschonende Beleuchtung geht meist ohne teure Neuanschaffungen. Und auch, wenn du die positiven Effekte kaum bemerkst, sind sie da und die Natur vor deiner Haustür wird es dir danken. Letztlich zählt jede kleine Gartenleuchte, denn die Summe an Licht, die der Mensch nachts erzeugt, beeinflusst mehr als nur unseren Blick auf die Sterne.
Insektensterben unter der Straßenlaterne
Um die Laternen in deiner Straße tanzen nachts Insekten? Beim näheren Hinsehen erkennst du, dass einige von ihnen bereits am Glas kleben oder darunter am Boden liegen. Sie fühlten sich besonders von kurzwelligem, blauweißem Licht angezogen – von Autoscheinwerfern und vielen weiteren künstlichen Lichtquellen.
Dabei führt Lichtverschmutzung nicht nur zum Insektensterben, wenn sie aufgrund mangelnder Nahrung irgendwann erschöpft zusammenbrechen: Versammeln sich Fliegen, Mücken, Nachtfalter und Käfer unter Lampen, werden sie auch zu gefundenem Fressen für ihre Räuber.
Lichtverschmutzung verwirrt Wildtiere
Und auch diese sind vom Licht in der Nacht beeinflusst, da neben Insekten auch Amphibien, manche Vogel- und Fledermausarten sowie Jäger am Boden dem Licht entgegenwandern. Damit ändert sich für sie die Wahl ihres Lebensraums – sie verhalten sich anders, als sie es ohne das Licht tun würden. Sie streifen nicht mehr auf denselben Pfaden, ihre Orientierung verändert sich. Letztlich verändern sich Räuber-Beute-Beziehungen und sogar der Stoffwechsel der Tiere wird beeinflusst.
Andersrum werden auch Tiere beeinflusst, die sich weiterhin lieber im Dunklen bewegen. Ihr Lebensraum wird durch erhellte Straßen, Gärten und Industrieanlagen fragmentiert. So kann auch Lichtverschmutzung die Landschaft zerschneiden.
LV durch Gartenbeleuchtung: wie Licht Pflanzen negativ beeinflusst
Wusstest du, dass auch Pflanzen durch nächtliche Beleuchtung gestört werden? Studien zeigen: ihr Wachstum, ihre Blattentwicklung, ihre Blühzeitpunkte und Stoffwechselprozesse können beeinflusst sein. Pflanzen reagieren keineswegs nur auf Sonnenlicht und Temperaturen.
Treiben Pflanzen im Frühjahr durch das viele Licht zu früh aus, können ihre Blätter zum Beispiel Schäden durch Fröste erleiden. Der Kreis schließt sich, wenn du daran denkst, dass Pflanzen von Bestäubern abhängig sind – einige von ihnen sind nachtaktiv und verenden durch die Lichtverschmutzung. Fehlende Bestäuber erschweren die Fortpflanzung von Blumen, Bäumen und Kräutern maßgeblich. Ein indirekter Effekt auf das Grün vor deiner Haustür.
LV durch Weihnachtsbeleuchtung
Künstliche Beleuchtung und ihre Nachteile sind nicht nur dann Thema, wenn draußen alles grünt, denn mit den länger werdenden Winternächten rückt auch Weihnachten näher und damit eine Zeit voller Adventsdeko. Dann entsteht LV nicht nur durch Straßenbeleuchtung, sondern auch durch:
- Lichterketten
- Kerzen
- Lichtinstallationen
So schön das Lichtermeer auch ist, denke auch dann an die Lichtverschmutzung und wende ein paar nachtschonende Kniffe an. Blauhaltige Farben beeinflussen die Winternacht negativer als wärmere, gelb-orangene Farben. Und auch zu Weihnachten zählt unterm Strich die Menge von Licht. Du wolltest eh eine wärmere Lichterkette mit Zeitschaltfunktion kaufen? Damit trägst du bereits zu nachtschonender Weihnachtsbeleuchtung
FAQ: Lichtverschmutzung
Was versteht man unter Lichtverschmutzung?
Lichtverschmutzung bezeichnet das Phänomen, dass künstliches Licht den natürlichen Nachthimmel überstrahlt und die Dunkelheit regelrecht verdrängt. Die Ursachen liegen dabei auf verschiedene Lichtquellen verteilt, die kombiniert den sogenannten Skyglow erzeugen – also Straßenlaternen, Werbeanlagen, Fassadenbeleuchtung oder private Gartenlichter. Dieser entsteht vor allem durch kaltweißes Licht mit kurzen, blauen Lichtwellen, die stark in der Atmosphäre gestreut werden. Die Folge: Selbst in ländlichen Gegenden ist der Blick auf die Milchstraße heute kaum noch möglich, weil Lichtstrahlen weit über ihren eigentlichen Einsatzort hinausstrahlen.
Welche Lichtfarbe ist am wenigsten schädlich für die Umwelt?
Warmweißes Licht mit niedriger Farbtemperatur gilt als deutlich naturverträglicher als kaltweißes oder blauweißes Licht. Der Grund: Kurzwellige, blaue Lichtanteile werden stärker in der Atmosphäre gestreut und tragen so maßgeblich zum Skyglow bei – außerdem ziehen sie besonders viele nachtaktive Insekten an. Setzt du auf LEDs mit unter 3.000 Kelvin, reduzierst du sowohl die Streuung von Licht als auch die Anziehungskraft auf Tiere spürbar. Eine kleine Anpassung mit großer Wirkung, die sich meist ganz ohne teuren Umbau umsetzen lässt.
Welche Vorschriften gibt es zur Lichtverschmutzung?
Bundesweit einheitliche Grenzwerte gibt es bislang nicht, doch die Rechtslage entwickelt sich: 2022 wurde mit § 41a des Bundesnaturschutzgesetzes erstmals eine gesetzliche Grundlage geschaffen, um Tiere und Pflanzen vor nachteiligen Auswirkungen durch Lichtimmissionen zu schützen, konkrete Grenzwerte per Rechtsverordnung sollen noch folgen. Einzelne Bundesländer sind schon weiter: Bayern hat bereits 2019 Vorschriften zur Lichtemission in sein Immissionsschutz- und Naturschutzgesetz aufgenommen, wonach öffentliche Gebäude nachts nicht beleuchtet werden dürfen. Es lohnt sich also, zusätzlich einen Blick auf die Regelungen deines Bundeslands oder deiner Kommune zu werfen.
Sind LED-Lampen automatisch nachtschonend?
Nein, LEDs verringern die Lichtverschmutzung nicht automatisch. LEDs sparen zwar Energie und damit Geld, sagen aber nichts darüber aus, wie umweltverträglich sie tatsächlich sind. Entscheidend sind Farbtemperatur, Helligkeit und Ausrichtung: Eine sehr helle, kaltweiße LED, die ungeschützt in den Himmel strahlt, kann sogar mehr Schaden anrichten als eine schwächere, warmweiße Alternative. Achte deshalb gezielt auf LEDs mit unter 3.000 Kelvin, eine Abschirmung nach oben und eine Ausrichtung Richtung Boden – erst dann wird aus energiesparend auch wirklich nachtschonend.
Welche Bereiche eines Grundstücks sollten nachts überhaupt beleuchtet werden?
Als Faustregel gilt: nur das, was wirklich gebraucht wird – etwa Hauseingänge, Gehwege oder Stellplätze, an denen Sicherheit und Orientierung eine Rolle spielen. Gebüsche, Bäume oder weite Gartenflächen rein zur Zierde durchgängig zu beleuchten, bringt dagegen kaum Nutzen, verursacht aber unnötige Lichtverschmutzung. Am besten kombinierst du die notwendigen Bereiche mit Bewegungsmeldern und Zeitschaltuhren, sodass Licht wirklich nur dann brennt, wenn es gebraucht wird – für den Rest deines Grundstücks gilt: Dunkelheit ist völlig in Ordnung.