Eine horizontale Wand, die bepflanzt ist.
Einrichtungsstile

Biophiles Design: Mehr Natur für besseres Wohnen

Portrait: Christine Frischke

Christine Frischke

So ein Spaziergang durch den Wald oder durch den Park tut einfach gut! Wir Menschen fühlen uns zur Natur hingezogen, kommen dort zur Ruhe. Genau da setzt Biophiles Design an. Es soll die Natur zurück in das Leben und Wohnen der Menschen holen. Licht, Pflanzen und natürliche Materialien fließen in die Gestaltung von Gebäuden und Wohnungen ein. In Düsseldorf verschwindet ein Gebäude hinter Hecken, in Mailand wachsen Bäume auf Balkonen und Singapur verwandelt sich in eine Gartenstadt. Dabei ist Biophile Gestaltung mehr als ein Bautrend. Im Folgenden erfährst du, welche Idee hinter Biophilem Design steckt, wie es sich umsetzen lässt und die Lebensqualität verbessert.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Biophiles Design beschreibt einen Bau- und Einrichtungsstil, der die Natur bewusst in Gebäude und Wohnungen holt. Und der Stil kann mehr: er kann Stress abbauen, die Produktivität und Motivation erhöhen sowie die Gesundheit fördern.
  • Zu den wichtigsten Elementen gehören Tageslicht, Frischluft, Pflanzen, fließendes Wasser, natürliche Materialien wie Holz und Stein sowie die Orientierung an organischen Formen.
  • Die Verwendung von natürlichen Materialien verbessert das Raumklima. Gleichzeitig spenden Pflanzen Schatten, kühlen Fassaden und können Tieren Lebensraum bieten.
  • Spannende Beispiele für Biophiles Design sind der Kö-Bogen II in Düsseldorf, der Alnatura Campus in Darmstadt, die Wohntürme Bosco Verticale in Mailand und der Stadtstaat Singapur.

Was ist Biophiles Design eigentlich?

Der Begriff Biophilie bedeutet so viel wie Liebe zum Lebendigen. Geprägt hat ihn der Psychoanalytiker Erich Fromm bereits in den 1960er-Jahren. Wirklich bekannt wurde er aber erst gut 20 Jahre später durch den Biologen Edward O. Wilson. Er sprach davon, dass der Mensch eine angeborene Neigung zur Natur hat und sich mit ihr verbunden fühlen möchte.

Übertragen auf die Architektur bedeutet das – Gebäude und Innenräume sollen so gestaltet sein, dass sie einen Zugang zu Pflanzen, Wasser, Tageslicht und anderen natürlichen Elementen fördern. Dieser Bautrend ist also das genaue Gegenteil von sterilem Beton und Stahl.

Welche Elemente gehören zur Biophilen Gestaltung?

Biophiles Design lässt sich in drei Kategorien einteilen. Diese setzen sich wie folgt zusammen:

1. Die erste Kategorie soll die direkte Naturerfahrung ermöglichen. Das gelingt durch:

  • viel Tageslicht
  • frische Luft
  • Grünpflanzen
  • Tiere, etwa in Form von Aquarien
  • Wasserspiele wie ein Zimmerbrunnen
Ein Haus mit Lichtschaft und viel Grün drinnen

2. Die zweite Kategorie sieht die Einbindung von Elementen vor, die an die Natur erinnern. Das können beispielsweise sein:

  • Bilder von Landschaften oder Tieren
  • die Verwendung von natürlichen Materialien wie Holz, Stein, Lehm oder Wolle
  • die Verwendung von Formen und Mustern, die in der Natur vorkommen, beispielsweise Wellen, Blattmuster oder Baumverzweigungen
  • Naturfarben wie beruhigende Erdtöne und frische Grüntöne

3. Die letzte Kategorie der biophilen Gestaltung beschäftigt sich mit dem natürlichen Raumcharakter. Gebäude und Räume sollen:

  • Ausblicke ermöglichen, etwa mit Balkonen, die begrünt wurden, Dachterrassen, Schiebetüren oder nachhaltigen Ideen zur Fassadengestaltung
  • Rückzugsorte schaffen, etwa mit blickgeschützten Nischen und Ecken
  • für Spannung sorgen, die dich der Natur näherbringt, etwa mit Glasböden, transparenten Geländern oder federnden Treppen

Welche Vorteile bietet biophiles Design?

Biophiles Design wirkt sich positiv auf die Stimmung und das Wohlbefinden des Menschen aus. Darauf deuten verschiedene Studien hin. Pflanzen, Tageslicht, der Blick in die Natur und andere natürliche Elemente können demnach Stress reduzieren, die Stimmung verbessern und die Konzentration steigern.

Pflanzen reduzieren dazu noch Schadstoffe in der Luft und erhöhen den Sauerstoffgehalt. In geringem Maße absorbieren sie sogar Schall – das sorgt beispielsweise für weniger Lärm im (Großraum-)Büro. Sogar Auswirkungen auf die Gesundheit hat die Forschung beschrieben. Menschen im Krankenhaus, die ein Zimmer mit Fenster ins Grüne haben, sollen schneller genesen und weniger Schmerzmittel benötigen.

Auch in Sachen nachhaltiges Bauen punktet Biophiles Design. Wer hier auf ein natürliches Lichtdesign und eine optimale Belüftung setzt, ist weniger abhängig von künstlichem Licht und mechanischen Lüftungssystemen. Begrünte Fassaden können wie eine Isolierung wirken und verhindern, dass sich Gebäude im Sommer übermäßig aufheizen. Außerdem können sie Lebensraum für Tiere bieten. Begrünte Dächer speichern Regenwasser länger und mildern negative Folgen von Starkregen ab.

Von Düsseldorf bis Singapur – großartige Beispiele für Biophiles Design

Weltweit gibt es Positivbeispiele von Gebäuden in Biophilem Design. Wir wollen uns einige dieser Projekte näher ansehen:

  • Der Kö-Bogen II in Düsseldorf: Das Büro- und Geschäftsgebäude rühmt sich mit Europas größter Grünfassade. In eng bepflanzten Reihen wachsen hier mehr als 30.000 Hainbuchen, die das Gebäude wie eine dichte Hecke einhüllen. Entworfen hat es der amerikanische Stararchitekt Daniel Libeskind.
  • Der Alnatura Campus in Darmstadt: Hier zeigt die Gesamtgestaltung mit Gärten und Grünflächen das Biophile Design und die Verbindung zur Natur. Die Außenfassade des großen Bürogebäudes besteht aus Lehm und durch die großen Glasfronten strömt viel Tageslicht nach innen. Das ehemalige Kasernengelände wurde zu einem großen Teil renaturiert und bietet nun Platz für seltene Tier- und Pflanzenarten.
  • Die zwei Wohntürme Bosco Verticale in Mailand: Auf ihren Balkonen wachsen hunderte Bäume, Sträucher und weitere Pflanzen. So haben alle Bewohner:innen einen kleinen Privatwald vor der Tür. Die Pflanzen spenden zudem zusätzlichen Schatten und schaffen Lebensraum für Vögel und Insekten. Die grünen Türme haben sogar eine positive Auswirkung auf das städtische Mikroklima.
  • Singapur: Hier wurde Biophiles Design konsequent in der Stadtplanung umgesetzt. Natur soll im Alltag der Menschen präsent sein – und das, obwohl die asiatische Megastadt enorm dicht besiedelt ist. In Singapur sprießt überall Grün: auf Dächern, an Gebäudefassaden und in den zahlreichen Parks. Mehr als ein Drittel der Metropole ist von Bäumen und Pflanzen bedeckt. Korridore verbinden die Grünanlagen miteinander. Achtloses Verschmutzen der Natur wird durch teure Bußgelder abgemahnt. Bekannt ist außerdem der Flughafen, der sich mit einem 40 Meter hohen Indoor-Wasserfall schmückt.

Eine Biophile Gestaltung zeigt sich aber nicht erst in großen Projekten und an markanten Gebäuden. Große Fensterflächen, Innenwände aus Moos, Oberlichter, Atrien und Holz statt Beton sind Möglichkeiten, Biophiles Design in das moderne Wohnen zu holen.

Kann man Biophiles Design auch in den eigenen vier Wänden umsetzen?

Ein bunter Raum mit vielen Pflanzen und einer Pflanzwand

Natürlich kannst du Biophiles Design auch im Kleinen für dich nutzen, statt es den Stadtplaner:innen und Architekt:innen zu überlassen. Schnell umgesetzt sind die ersten Schritte mit Zimmerpflanzen.

Hole für eine biophile Gestaltung eine kleine Palme ins Wohnzimmer, stelle Kakteen aufs Fensterbrett oder lass eine Blumenampel von der Decke baumeln. Das sanfte Plätschern eines Zimmerbrunnens beruhigt, ein Landschaftsdruck über dem Arbeitsplatz gönnt deinen Augen eine willkommene Pause.

Verzichte zudem auf Vorhänge oder wähle lichtdurchlässige Alternativen, um vom natürlichen Tageslicht zu profitieren. Holzregale und natürliche Materialien, etwa bei Kissenbezügen oder Sesselpolstern, sind außerdem organische Gestaltungselemente. Am Ende gilt: der Natur muss beim Wohnen kein Ende gesetzt werden – wie naturnah es werden darf, ist dir selbst überlassen.

FAQ: Biophiles Design

Was versteht man unter Biophilem Design?

Biophiles Design bringt Natur und gebaute Umgebung wieder näher zusammen. Dafür werden Pflanzen, Tageslicht, Wasser, natürliche Materialien und organische Formen bewusst in Gebäude und Innenräume integriert. Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen sich Menschen stärker mit der Natur verbunden fühlen.

Welche Elemente gehören zu Biophilem Design?

Zu Biophilem Design gehören direkte Naturelemente wie Pflanzen, natürliches Licht, frische Luft und Wasser. Aber auch Holz, Stein, Lehm, Wolle sowie Farben und Formen aus der Natur passen zum Konzept. Zusätzlich spielen Ausblicke ins Grüne, begrünte Außenbereiche und gemütliche Rückzugsorte eine wichtige Rolle.

Wie lässt sich Biophiles Design zu Hause umsetzen?

Für Biophiles Design musst du deine Wohnung nicht gleich komplett umbauen. Schon Zimmerpflanzen, Möbel aus Holz, natürliche Textilien und viel Tageslicht bringen mehr Natur in deine vier Wände. Auch ein kleiner Zimmerbrunnen, Naturmotive oder organisch geformte Einrichtungsgegenstände können das Konzept ergänzen.

Welche Pflanzen eignen sich für Biophiles Design?

Grundsätzlich kannst du ganz unterschiedliche Zimmerpflanzen für Biophiles Design verwenden. Große Grünpflanzen sorgen für auffällige natürliche Akzente, während kleinere Pflanzen wunderbar auf Fensterbänke, Regale oder Schreibtische passen. Wichtig ist vor allem, Pflanzen auszuwählen, die mit den Licht- und Standortbedingungen in deinem Zuhause zurechtkommen.

Welche Materialien passen zu Biophilem Design?

Holz, Stein, Lehm und Wolle passen besonders gut zu Biophilem Design, weil sie einen unmittelbaren Bezug zur Natur herstellen. Du kannst solche Materialien bei Möbeln, Wänden, Böden oder Wohntextilien einsetzen. Dabei musst du nicht alles miteinander kombinieren – bereits einzelne natürliche Elemente können die Wirkung eines Raumes verändern.

Christine Frischke

Christine Frischke schreibt als Journalistin mit Schwerpunkt Reportage über (fast) alles, was sie neugierig macht, derzeit vor allem über die Themen Familie und Beruf. Aus ihrer Anfangszeit als Wohnredakteurin hat sie sich das Interesse für Design und clevere Einrichtungsideen bewahrt.

Portrait: Christine Frischke
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