Aufdrehen ohne Reue Wohnen

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Judith Jenner

Judith Jenner • November 2020

Rund 70 Prozent des Energieverbrauchs zu Hause entfällt aufs Heizen. Ökologische Alternativen zu fossilen Brennstoffen und richtiges Heizen entlasten den Geldbeutel und die Umwelt.  

Wenn die Temperaturen draußen fallen und die Tage kürzer werden, möchte man es sich zu Hause gemütlich machen. Wichtig dafür ist die richtige Raumtemperatur. Bei 19 bis 22 Grad fühlen sich die meisten Menschen hierzulande wohl.
Die verbreitetste Heizungsart ist Erdgas, die etwa die Hälfte aller Haushalte in Deutschland nutzen. Der Vorteil: Es ist keine Lagerung wie z.B. bei Heizöl notwendig. Allerdings muss das Haus ans öffentliche Gasnetz angeschlossen sein, was nicht überall möglich ist. Bei Gas ist im Vergleich zu anderen fossilen Brennträgern wie Heizöl oder Kohle die Umweltbelastung relativ gering.

Ökologische Alternative: die Wärmepumpe

Diesen Vorteil hat auch das Heizen mit regenerativen Energien. In Neubauten kommen zunehmend Wärmepumpen zum Einsatz. Laut dem Bundesverband Wärmepumpe verzeichnet die Branche in den vergangenen fünf Jahren ein kontinuierliches Wachstum. Eine Wärmepumpe nutzt die Energie aus Luft, Grundwasser oder Erdreich und wandelt sie in Wärme zum Heizen und für Warmwasser um. Dank dieses Systems sind ihre Nutzer unabhängig von fossilen Brennstoffen. Allerdings müssen sie sich je nach Wärmepumpentyp möglicherweise mit langwierigen Genehmigungsverfahren durch die örtlichen Behörden herumschlagen.

Die Wärmepumpe braucht außerdem Platz, den der Architekt bei einem Neubau idealerweise von Anfang an bei der Planung berücksichtigt. Ein nachträglicher Einbau ist möglich. Notwendige Umbauten und entsprechende Planungen können aber die Kosten in die Höhe treiben.
Aufgrund der guten Ökobilanz fördert die Bundesregierung den Einbau von Wärmepumpen mit einem Investitionszuschuss von bis zu 35 Prozent. Wird eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, bekommen Hausbesitzer sogar bis zu 45 Prozent der Investitionskosten erstattet. Möglich ist auch ein zinsgünstiges Darlehen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Auch Kreise und Kommunen sowie Wirtschaftsverbände bieten oft regionale Förderprogramme an – es lohnt sich also, zu recherchieren.

 

Heizen mit Holz: die Pelletheizung

Staatliche Unterstützung gibt es auch für Pelletheizungen. Bei diesem System ist Holz der Energielieferant, genauer gesagt gepresste Holzspäne. Die Reste aus der Holzverarbeitung werden ohne Zusatz von Chemie gepresst und im Pelletofen verbrannt. Mit einem Pelletofen kann entweder ein einzelnes Zimmer oder per Zentralheizung das ganze Haus beheizt werden. 

Kernstück der Pelletheizung ist die Brennkammer. Sie wird automatisch in periodischen Abständen mit Holz-Pellets befüllt, die beim Verbrennen Wärme abgeben. Sie strahlt entweder direkt in den Raum ab oder wärmt das Wasser, das die Wärme an die Heizkörper im Haus verteilt. 

Auch die Pelletheizung braucht Platz, und zwar nicht nur für die Heizungsanlage an sich, sondern auch für die Lagerung der Pellets. Etwa zehn Quadratmeter veranschlagen Experten für das Pelletlager im eigenen Haus. Es sollte sich dicht neben dem Brennkessel befinden, damit die Pellets automatisch in den Ofen befördert werden können. Alternativ ist auch eine Lagerung im Garten in einem Kessel denkbar, von dem aus die Pellets über einen Schlauch in die Heizung gelangen.

Heizen mit der Kraft der Sonne: Solarthermie

Eine dritte Möglichkeit des umweltfreundlichen Heizens ist Solarthermie. Diese Technologie nutzt die Kraft der Sonne, die das größte Energiepotential aller erneuerbaren Energien besitzt. Mit der Sonnenstrahlung, die in einem Jahr auf die Erde trifft, ließe sich laut der Ökostrom-Initiative Desertec der jährliche Energiebedarf weltweit mehr als fünftausendmal decken. 

Um mit Sonnenenergie zu heizen, wird sie über Sonnenkollektoren gesammelt, die üblicherweise auf dem Dach in einem Neigungswinkel von 30 bis 50 Grad installiert werden. Darüber gelangt die Energie mit Hilfe eines Wärmeträgers zum Wärmespeicher. Dort wird sie zu Wärme für die Warmwasserbereitung oder die Heizung umgewandelt. 

Weil die Sonne in unseren Breitengraden im Winter nicht so intensiv scheint, dass sie als alleiniger Energielieferant ausreicht, ergänzt Solarthermie üblicherweise ein bestehendes Heizsystem wie eine Öl-, Gas- oder Pelletheizung. Auch andere Kombinationen sind denkbar. Beispielsweise kann eine Pelletheizung eine Ölheizung ergänzen.

Auf die Dämmung kommt es an

Das beste Heizungssystem nützt wenig bei einer schlechten Wärmedämmung. Bis zu 35 Prozent der Heizenergie gehen bei unsanierten Altbauten über die Außenwände verloren. Fast ebenso viel entweicht durch ein ungedämmtes Dach. Das treibt die Heizkosten in die Höhe und belastet die Umwelt.

Der Gesetzgeber fördert daher die energetische Sanierung von Altbauten. Für Neubauten gelten gesetzliche Vorgaben zur Energieeffizienz. Ein Energieausweis, der die Energieeffizienz eines Gebäudes angibt, ist seit 2009 für Wohngebäude Pflicht. Von einer guten Dämmung profitieren die Hausbewohner übrigens auch im Sommer, denn die Wohnung heizt sich nicht so stark auf. 

Die Wärmedämmung wird üblicherweise von außen an die Fassade oder bei denkmalgeschützten Bauten auch innen angebracht. Oft kommen dafür unter Gesundheits- und Umweltaspekten bedenkliche Materialien wie Styropor oder Mineralwolle zum Einsatz. Doch es gibt ökologische Alternativen. So hat das Fraunhofer Institut für Bauphysik einen Dämmstoff aus Rohrkolben entwickelt. Die Schilfpflanze wird unter Zugabe des Minerals Magnesit zu Dämmplatten verarbeitet. Auch Seegras, Cellulose oder Hanffasern haben sich bereits als ökologische Dämmstoffe bewährt. 

Doch es muss nicht immer eine komplette Gebäudedämmung sein. Wenn es durch Fenster oder Türen zieht, können Dichtungen aus Schaumstoff oder Gummi aus dem Baumarkt bereits einen Unterschied machen. Wer einen Rollladen vor dem Fenster hat, sollte ihn nachts hinunterlassen, das isoliert zusätzlich.

Gewusst wie: Tipps zum richtigen Heizen

So paradox es klingen mag, wer möglichst energiesparend heizen möchte, sollte die Heizung nicht längere Zeit ausdrehen. Denn dadurch benötigt sie umso mehr Energie, um den Raum anschließend wieder aufzuheizen. Das Bundeumweltamt empfiehlt, die Temperatur nachts um nicht mehr als vier bis fünf Grad zu senken. 

Nicht alle Räume müssen gleichermaßen geheizt werden. In der Küche, wo Herd und Kühlschrank Wärme abgeben, reichen oft 17 bis 18 Grad aus. Auch im Schlafzimmer schlafen wir besser bei Temperaturen unter 20 Grad. Im Bad empfinden die meisten Menschen um die 22 Grad als angenehm. Ein Heizkörper sollte nicht durch Möbel oder dicke Vorhänge verstellt werden. Sie verhindern, dass die Wärme im Zimmer zirkulieren kann. 

Auch wenn es draußen kalt ist: Lüften ist auch im Winter wichtig, damit Feuchtigkeit entweichen kann. Sie kann sonst an kalten Außenwänden kondensieren und es bildet sich Schimmel. Statt die Fenster zu kippen, ist Stoßlüften empfehlenswert. Dafür sollte man sie mehrmals am Tag für etwa fünf Minuten weit öffnen. 

Keine gute Idee ist es, nasse Wäsche auf den Heizkörper zu trocknen. Zum einen erhöht sich die Luftfeuchtigkeit, zum anderen staut sich die Wärme unter den Textilien und verteilt sich nicht im Raum. Ein Wäscheständer oder der Trockner sind daher die bessere Wahl. Wer diese Tipps beherzigt, sorgt für eine gesunde Wohnumgebung und hilft gleichzeitig die Umwelt zu schützen.


JJ

Judith Jenner

Judith Jenner ist freie Journalistin aus Berlin. Sie schreibt für Tageszeitungen, Magazine und Online-Publikationen über Architektur, Bildung und Gesundheit. Besonders interessieren sie die Menschen, die hinter diesen Themen stecken.


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